Warum ich Basics im Dummytraining als eine meiner Hautpaufgaben ansehe
.. und warum ohne sie gar nichts geht
Neulich fragte mich eine Kundin im Training: „Warum bietet eigentlich kein Dummytrainer den sauberen Aufbau der Basics an, so wie du?“
Meine ehrliche Antwort im ersten Moment? „Ich kann es dir nicht sagen, ich weiß es ehrlich gesagt nicht.“
Und sie ist nicht die Erste.
Ich habe immer wieder Kunden die den Weg zu mir finden, weil deren Trainer sich schlichtweg nicht mit dem Aufbau der Grundlagen beschäftigen will. Es wird quasi von den Teilnehmern erwartet, sie mögen diese doch bitte zu Hause aufbauen, damit sie am Training teilnehmen können.
Für mich ist das schlichtweg am Thema vorbei, denn Grundlagen sollte jeder vermitteln, der Dummytraining anbietet.
Um es provokant auszudrücken:
Sich in die Landschaft zu stellen und Dummys fliegen zu lassen, ist die eine Sache. Menschen so anzuleiten, dass sie die einzelnen Bausteine sauber mit
ihrem Hund erarbeiten, eine völlig andere. Genau hier zeigt sich für mich die wahre Trainerkompetenz.
Denn eine Standard-Gruppenstunde abzuwickeln erfordert weder individuelle Trainingspläne noch eine durchdachte Anleitung für zu Hause. Und schon gar keine Unterstützung per Mail oder Telefon, wenn es bei der Umsetzung doch mal hakt. Doch genau das macht den Unterschied.
Das Fundament ist keine lästige Pflichtaufgabe – es entscheidet darüber, wie gut alles Spätere funktioniert. Grundlagenarbeit ist nicht die Vorstufe zum Dummytraining.
Sie IST das Dummytraining.
Ein bisschen relativieren muss ich diese meine Antwort an die Kundin doch:
Ich kenne durchaus Kolleginnen, die sich dem Grundlagenaufbau widmen. Aber dafür muss man oft einige Kilometer Fahrt auf sich nehmen.
Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als mir selbst die Grundlagen und das tiefere Verständnis für diesen Bereich fehlten und ich blutiger Anfänger war. Und ich weiß noch genau, wie lange ich suchen musste, um jemanden zu finden, der mir den Einstieg in die Dummyarbeit fundiert vermittelt. Auch ich habe von verschiedenen Trainern den Hinweis bekommen, ich möge doch bitte die Grundlagen anderweitig aufbauen, da man diese nicht anbieten würde. So stand ich da auf weiter Flur versuchte mir selbst zu helfen. Allerdings ist das, wenn man keine Ahnung von der Materie hat, eine fast unlösbare Aufgabe.
Fündig wurde ich schließlich bei Katja Wiemers, zu der ich alle 14 Tage pro Strecke 2h Fahrt in Kauf genommen habe. Sie hat mir z.B. von der Pike auf gezeigt, wie man Dinge wie die Grundposition, Drehungen und eine saubere Fußarbeit kleinschrittig aufbaut. (An dieser Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an dich, liebe Katja!)
Und durch meine eigenen Aus- und Fortbildungen habe ich dieses Fundament immer weiter ausgebaut, neue Techniken gelernt und Ideen gesammelt, um bei Problemen zu helfen.
Inzwischen widme ich mich dem Thema Grundlagen proaktiv:
in Form von Seminaren beim DRC, Workshops in meiner eigenen Hundeschule und natürlich im Einzeltraining. Aber auch im ganz normalen Gruppentraining hake ich immer wieder bei den Basics nach, flechte sie bewusst ein und korrigiere meine Teams. (Und manchmal hassen sie mich vermutlich auch dafür ;-) )
Warum mir das so extrem wichtig ist? Weil ohne ein solides Fundament ein nachhaltiger Leistungsaufbau – egal ob in der Anfänger- (A), Fortgeschrittenen- (F) oder Offenen Klasse (O) – schlichtweg nicht möglich ist.
Wir alle wissen:
Unsere Retriever bringen die genetischen Anlagen für die Zusammenarbeit (will to Please), das Arbeiten im Gelände und dem Apportieren von Haus aus mit. Aber alles, was wir für eine souveräne, strukturierte und belastbare Arbeitsweise brauchen, muss zu Beginn sauber erarbeitet werden. Und zwar lange bevor es in die Gruppenarbeit mit fliegenden Dummys, wilden Markierungen und spannenden Wasseraufgaben geht.
Denn die Formel ist einfach: Kann der Hund diese Grundlagen nicht schon in einer reizarmen Umgebung sicher und routiniert abrufen, wird er es unter Ablenkung erst recht nicht können.
Ich gebe zu: Ich liebe die Basics!
Saubere Fußarbeit und Impulskontrolle machen mir einfach richtig Spaß.
Ich erlebe aber oft, dass Halter sie eher als zähe Fleißarbeit empfinden. Und das ist völlig verständlich – denn ohne einen klaren Leitfaden, der auch wirklich sichtbare Erfolge bringt, macht es eben wenig Freude.
Weiß man aber genau, wie man diese Elemente effektiv und sauber aufbaut, ist ein rundum sicherer Ablauf beim Apportieren gar nicht mehr so kompliziert. Aus der Pflicht wird ein gemeinsames Projekt, das richtig zusammenschweißt – und euch ein Fundament gibt, auf das ihr euch selbst unter Druck, wie auf Prüfungen oder Wettkämpfen, felsenfest verlassen könnt.
Dass sich dieser Weg auszahlt, durfte ich erst kürzlich wieder hautnah miterleben: Eine Kundin von mir hatte lange Zeit große Probleme bei der Fußarbeit und wurde mit dem Thema nie so richtig warm. Nach einigen Wochen gemeinsamen Trainings kam sie plötzlich strahlend auf mich zu: „Eigentlich fand ich Fußarbeit immer ganz furchtbar. Aber ich muss ehrlich gestehen: Das macht inzwischen richtig Spaß!“ Wenig später durfte ich beim internen Workingtest als Helfer zusehen, wie die beiden als harmonisches Team eine wunderschöne Fußarbeit auf den Platz zauberten.
Solche Momente lassen mir als Trainerin einfach das Herz aufgehen. Sie zeigen mir immer wieder aufs Neue: Es lohnt sich, am Ball zu bleiben und die Grundlagen niemals aus den Augen zu verlieren.







